
First Principles
im Projektmanagement
Wenn wir „First Principles“ ernst nehmen, tun wir so, als würden wir Projektmanagement nicht als Sammlung von Methoden (Scrum, PRINCE2, PMI, OKR, Gantt…) betrachten, sondern als eine Handvoll grundlegender Wahrheiten darüber, wie Menschen unter Unsicherheit gemeinsam etwas Wertvolles herstellen.
Prinzip 1
Ein Projekt ist Wertlieferung unter Unsicherheit
Kernaussage: Ein Projekt existiert, weil Ergebnis, Weg oder Aufwand nicht sicher bekannt sind – sonst wäre es Routine/Prozess.
Warum fundamental: Unsicherheit ist der Unterschied zwischen „Abarbeiten“ und „Steuern“.
Praktisch erkennbar: Du hast Hypothesen, Annahmen, Risiken – und eine Lern-/Entscheidungslogik, nicht nur einen Plan.
Prinzip 2
Erfolg ist eine Entscheidung – und muss operationalisiert werden
Kernaussage: „Erfolgreich“ ist ohne messbare, überprüfbare Kriterien nur eine Story.
Warum fundamental: Ohne definierten Erfolg kann man nicht priorisieren, nicht entscheiden, nicht trade-offs machen.
Praktisch erkennbar: Es gibt wenige, klare Erfolgskriterien (Outcome + Constraints), z. B. „X% Conversion uplift bis Datum Y bei Budget Z und Compliance C“.
Prinzip 3
Jede Arbeit ist ein Trade-off zwischen Zeit, Geld, Scope, Qualität, Risiko
Kernaussage: Du kannst nicht alles gleichzeitig maximieren.
Warum fundamental: Ressourcen sind endlich; Projekte sind Optimierungsprobleme.
Praktisch erkennbar: Das Team kann erklären, welche Dimension bewusst geopfert wird, wenn eine andere „gewinnt“.
Prinzip 4
Entscheidungen sind der Engpass – nicht Aufgabenlisten
Kernaussage: Projekte scheitern oft nicht an „zu viel Arbeit“, sondern an fehlenden oder späten Entscheidungen.
Warum fundamental: Ohne Entscheidungen keine Richtung; ohne Richtung keine sinnvolle Ausführung.
Praktisch erkennbar: Es gibt klare Entscheidungsrechte, schnelle Eskalationspfade und eine „Decision Logik“ (wer entscheidet was bis wann auf Basis welcher Informationen).
Prinzip 5
Feedback-Schleifen schlagen Prognosen
Kernaussage: Je höher die Unsicherheit, desto wertvoller ist frühes, echtes Feedback – Nutzer, Stakeholder, Daten, Tests.
Warum fundamental: Pläne sind Vermutungen; Feedback ist Realität.
Praktisch erkennbar: Kurze Zyklen, Prototypen, Pilotierungen, Reviews – und echte Konsequenzen daraus.
Prinzip 6
Transparenz ist ein Steuerungsinstrument, kein Reporting-Ritual
Kernaussage: Sichtbarkeit über Status, Risiken, Blocker, Qualität ermöglicht Korrektur.
Warum fundamental: Ohne Transparenz gibt es keine Steuerung, nur Hoffnung.
Praktisch erkennbar: Ein „Single Source of Truth“ (Board, Dashboard, Doku), klare Ampeln mit Kriterien (nicht Bauchgefühl), und schlechte Nachrichten kommen früh.
Prinzip 7
Der kritische Pfad ist real – und liegt oft in Abhängigkeiten und Wartezeiten
Kernaussage: Nicht jede Aufgabe ist gleich relevant; einige wenige bestimmen die Gesamtzeit.
Warum fundamental: Zeitpläne werden von Engpässen bestimmt, nicht von Durchschnittswerten.
Praktisch erkennbar: Fokus auf Entblocken, Abhängigkeiten reduzieren, Parallelisierung nur dort, wo sie wirklich hilft.
Prinzip 8
Qualität ist keine Phase, sondern ein System
Kernaussage: „Wir testen am Ende“ ist eine Kostenexplosion in Zeitlupe.
Warum fundamental: Fehlerkosten steigen mit Fortschritt (spät finden = teuer).
Praktisch erkennbar: Definition of Done, automatisierte Checks, Reviews, klare Standards, laufende Integrationen.
Prinzip 9
Kommunikation ist keine Nebenarbeit – sie IST die Arbeit
Kernaussage: Projekte sind koordinierte Zusammenarbeit; Koordination passiert über Kommunikation.
Warum fundamental: Missverständnisse sind unsichtbare Rework-Maschinen.
Praktisch erkennbar: Klare Formate: kurze Syncs, saubere schriftliche Entscheidungen, „working agreements“, zielgerichtete Stakeholder-Kommunikation.
Prinzip 10
Motivation folgt Sinn, Autonomie und Fortschritt
Kernaussage: Menschen liefern besser, wenn sie wissen warum, Spielraum im wie haben und Fortschritt sehen.
Warum fundamental: Produktivität ist nicht nur Kapazität, sondern Energie + Fokus + psychologische Sicherheit.
Praktisch erkennbar: Team versteht Zweck, darf Lösungen gestalten, sieht regelmäßig Ergebnisse, kann Probleme ansprechen ohne Angst.
Prinzip 11
Scope ist ein bewegliches Ziel – darum brauchst du ein Priorisierungssystem
Kernaussage: Anforderungen wachsen fast immer; ohne Priorisierung wächst Chaos.
Warum fundamental: Wenn alles wichtig ist, ist nichts wichtig.
Praktisch erkennbar: Backlog/Anforderungsliste mit Rangfolge, klare Kriterien (Impact, Risiko, Aufwand), und ein Prozess für Changes.
Prinzip 12
Risikomanagement ist Annahmenmanagement
Kernaussage: Viele „Risiken“ sind ungetestete Annahmen.
Warum fundamental: Annahmen sind die unsichtbaren Pfeiler des Plans.
Praktisch erkennbar: Eine Liste der Top-Annahmen + Tests/Signale + Fallbacks. Projekte werden „durch Experimente“ stabiler.




