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Warum eure Projekte nicht brutal scheitern – sondern leise verbluten

Warum eure Projekte nicht brutal scheitern - sondern leise verbluten.
Warum eure Projekte nicht brutal scheitern - sondern leise verbluten.

Hallo, meine lieben Projektleiter:innen, Krisenmanager:innen wider Willen und stillen Feuerwehrleute!


Hier ist wieder euer Jörg Tausendfreund, Projektmanagement-Erklärer und der Mann, der schon mehr Projekte ganz leise hat scheitern sehen, als cool Abschluss-Partys.


Und ich sage euch gleich zu Beginn etwas, das vielen nicht gefallen wird – aber den meisten bekannt vorkommt:


Eure Projekte scheitern nicht spektakulär. Sie gehen nicht mit einem großen Knall unter. Sie verbluten leise. Jeden Tag ein kleines Stück.


Kein „Projekt abgebrochen“. Kein „Wir haben versagt“. Sondern: „Wir sind fast fertig“, „Wir müssen nur noch…“, „Es fehlt nur noch…“.


Und irgendwann merkt keiner mehr, warum dieses Projekt überhaupt noch läuft.




Januar 2026:
Die Lage ist ernst – und das verändert Projekte

Wir müssen nicht drum herumreden: Der Jahreswechsel 2025/2026 fühlt sich anders an.


  • Wirtschaftliche Unsicherheit ist kein Ausnahmezustand mehr.


  • Budgets werden enger, Entscheidungen zäher.


  • Insolvenzen sind kein Randphänomen mehr, sondern Gesprächsthema in der Kaffeeküche.


  • Führungskräfte stehen unter massivem Druck, nichts falsch zu machen.


Und genau in diesem Umfeld passiert etwas Gefährliches in Projekten:


Man vermeidet klare Entscheidungen, um Risiken zu vermeiden –und erhöht damit das Risiko massiv.

Das ist der Nährboden für das leise Scheitern.




Das Muster des leisen Verblutens

Wenn Projekte brutal scheitern, sieht man es sofort: Budget weg. Termin geplatzt. Abbruch.


Wenn Projekte leise scheitern, sieht es so aus:


  • Statusberichte sind „gelb-grün“.


  • Alle arbeiten viel.


  • Es gibt viele Meetings.


  • Aber: Es kommt nichts mehr wirklich voran.


Ich habe das 2025 häufiger gesehen als je zuvor – vor allem im Mittelstand und in der produzierenden Industrie.


Nicht, weil die Leute schlecht wären. Sondern weil niemand mehr den Mut hatte, Stopp zu sagen.




Ein Mini-Fall aus dem echten Leben

Ein mittelständisches Produktionsunternehmen, 2025:


  • Drei große Transformationsprojekte.


  • Zwei Digitalisierungsinitiativen.


  • Ein ERP-Upgrade „on top“.


Offiziell alles priorisiert. Inoffiziell: alles gleich wichtig.


Die Projektleitung wusste längst, dass es nicht mehr funktioniert. Die Führung wusste es auch – aber niemand wollte es aussprechen.


Warum?


„Gerade jetzt können wir uns keinen Fehler leisten.“

Ergebnis: Alle Projekte liefen weiter. Keines wurde richtig fertig. Und Ende 2025 musste trotzdem eines gestoppt werden – zu spät, zu teuer, zu frustrierend.


Das Projekt ist nicht gescheitert. Die Führung hat es ausbluten lassen.




Die unbequeme Wahrheit

Leises Scheitern entsteht nicht durch Inkompetenz. Es entsteht durch vier systemische Muster:


1. Entscheidungsvermeidung aus Angst

Lieber vertagen als festlegen.Lieber diskutieren als entscheiden.


2. Überlast als Normalzustand

Alle sind dauerhaft am Limit – also merkt keiner mehr, wann etwas wirklich kritisch wird.


3. Harmonie vor Klarheit

Konflikte werden moderiert, aber nicht gelöst.Niemand will „der Böse“ sein.


4. Fortschritt wird simuliert

Aktivität ersetzt Wirkung. Meetings ersetzen Ergebnisse.

Das ist kein Projektproblem. Das ist ein Führungsproblem.




Warum Projektleitungen das zuerst spüren

Und jetzt ein wichtiger Satz für alle Projektleiter:innen:


Ihr seid nicht das Problem. Ihr seid die Sensoren.


Ihr merkt als Erste, dass:


  • Ziele nicht mehr zusammenpassen.


  • Entscheidungen fehlen.


  • Ressourcen unrealistisch verteilt sind.


  • Konflikte sich wiederholen.


Aber ihr habt oft nicht das Mandat, diese Dinge zu ändern.

Also kompensiert ihr. Ihr puffert. Ihr vermittelt. Ihr rettet.

Bis nichts mehr zu retten ist.




Der Wendepunkt:
Von Symptombehandlung zu Klarheit

Projekte verbluten leise, solange niemand bereit ist, diese Fragen zu stellen:


  • Warum läuft dieses Projekt noch?


  • Was würde passieren, wenn wir es stoppen?


  • Welche Entscheidung vermeiden wir gerade – und warum?


Gerade Anfang 2026, in dieser wirtschaftlichen Lage, ist Nicht-Entscheiden keine Vorsicht mehr.


Es ist Fahrlässigkeit.




Drei Führungshebel gegen das leise Scheitern

1. Entscheidungen wieder zeitlich binden

Jede offene Entscheidung bekommt eine Frist. Nicht, weil sie dann besser wird – sondern weil sie überhaupt getroffen wird.


2. Projekte aktiv beenden – nicht auslaufen lassen

Stopp ist kein Scheitern. Stopp ist Führung.


3. Konflikte als Frühwarnsystem nutzen

Wo sich Konflikte wiederholen, fehlt Struktur.Wo Struktur fehlt, muss Führung ran – nicht Mediation.




Der einfache Selbstcheck:
Blutet euer Projekt bereits?

Beantworte ehrlich mit Ja oder Nein:

  1. Läuft das Projekt weiter, obwohl niemand mehr richtig daran glaubt?

  2. Gibt es seit Wochen keine echte Entscheidung mehr?

  3. Arbeiten dieselben Schlüsselpersonen an zu vielen Projekten gleichzeitig?

  4. Wiederholen sich dieselben Konflikte immer wieder?

  5. Sind Statusberichte optimistischer als die Stimmung im Team?

  6. Wird mehr moderiert als entschieden?

  7. Weiß niemand mehr genau, was „fertig“ heißt?

  8. Hast du das Gefühl, nur noch Schaden zu begrenzen?


Auswertung:

  • 0–2 Ja: Gute Chancen, gegenzusteuern.

  • 3–5 Ja: Kritische Phase – jetzt braucht es Führung.

  • 6–8 Ja: Das Projekt verblutet bereits. Handeln. Sofort.




Zwei Reflexionsfragen zum Mitnehmen:


  • Welche Entscheidung würde dieses Projekt sofort entlasten – wird aber nicht getroffen?


  • Was würde passieren, wenn wir ehrlich „Stopp“ sagen?




Fazit: Scheitern beginnt nicht mit dem Knall – sondern mit dem Schweigen

In unsicheren Zeiten wie Anfang 2026 sind Projekte keine Spielwiese mehr. Sie sind Überlebensinstrumente.


Wer jetzt Projekte leise scheitern lässt, verliert doppelt: Geld und Vertrauen.

Die gute Nachricht: Leises Scheitern ist reversibel – wenn man hinschaut, zuhört und entscheidet.


Bis zum nächsten Mal.


Jörg Tausendfreund

Projektmanagement-Erklärer & Projekt-Retter


P.S.: Wenn du heute nur eine Sache tust, dann diese: Sprich im nächsten Meeting nicht über den Status. Sprich über die Entscheidung, die ihr seit Wochen vermeidet.


P.P.S.: Wenn du das Gefühl hast, eines eurer Projekte müsste gerettet werden, oder vielleicht euer gesamtes Projektmanagement, dann sprich mich gerne an und wir retten das Ganze gemeinsam.

 
 
 

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